GI: Love-scam, romance-scam oder auch: Der Betrug mit den Gefühlen

Kennen Sie sich aus dem Internet? Geht Ihr Partner/ Ihre Partnerin einer angesehenen Tätigkeit nach? Arbeitet er/ sie aktuell im Ausland? Haben Sie sich bislang niemals persönlich getroffen? Haben Sie Geldforderungen erhalten?

Wenn Sie die Fragen mit „ja, richtig“ beantworten können, sollten Sie die Betrugsmasche „love scam“ oder „romance scam“ kennen, was frei übersetzt die Abzocke mir der Liebe bedeutet. Hierbei gaukeln Männer und Frauen ihren Opfern eine angebliche Liebe vor. Der Kontakt entsteht über Dating Portale oder über die sozialen Medien. Klassischer Weise findet die Kommunikation auf Englisch oder Französisch und größtenteils schriftlich statt. Die Betrügerinnen und Betrüger gehen angeblich einer beruflichen Tätigkeit im Ausland nach, meistens handelt es sich so um Armee-Angehörige, Ärzte, Models, Arbeiter auf einer Ölplattform oder Ingenieure. Über Wochen und Monate hinweg bauen die Kriminellen eine Beziehung zu ihren Opfern auf, versprechen eine gemeinsame Zukunft und reden von der großen Liebe. Irgendwann berichten sie von einem Unglücksfall oder einer Unpässlichkeit, die es notwendig macht, Geld vom Partner oder von der Partnerin zu erhalten. Kommt die Person aus Deutschland der Forderung nach, folgen meistens weitere Geschichten, mit weiteren Geldnöten.

Genau so erging es einer jungen Frau aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, die Ende 2021 Anzeige erstattete. Eigentlich hatte sie sich aus Sorge um ihren vermeintlichen Partner an die Polizei gewandt. Der aufnehmende Beamte bemerkte aber schnell Ungereimtheiten, letztendlich stellte sich die gesamte Liebesgeschichte als Betrug heraus. Sie Frau muss nun nicht nur mit dem Verlust einer geglaubten Liebe klarkommen, sondern auch die Kredite abstottern, die sie für die Geldforderungen aufnahm.

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, den Betrug selber aufzudecken. Der Begriff „love scam“ bringt bei Suchmaschinen schon etliche Treffer. Opfer berichten von ihren Erfahrungen und veröffentlichen die von den Bertrügerinnen und Betrügern geschickten Fotos. Diese stammen meistens aus dem Internet und bilden Personen ab, die überhaupt nichts mit dem Betrug zu tun haben. So bleiben die tatsächlichen Täter anonym. Die „umgekehrte Bildersuche“ ermöglicht zusätzlich Hinweise auf einen laufenden Betrug. Hierfür ist nur das Hochladen eines Fotos der vermeintlichen Liebschaft in eine Suchmaschine im Internet notwendig. Die Suchmaschine zeigt die Treffer zu diesem Bild an.

Bemerkt ein Opfer den Betrug, ist die große Liebe seitens der Betrüger natürlich vorbei. Der Kontakt wird eingestellt, vorhandene Profile bei den genutzten Internetplattformen gelöscht.

Ermittlungsansätze für die Kriminalpolizei bieten die Telefon- und Kontonummern, doch auch das wird von den professionell agierenden Kriminellen bedacht. Dennoch appelliert die Polizei zur Anzeigenerstattung. Häufen sich Hinweise zu einer Gruppe, lassen sich dabei gegebenenfalls Zusammenhänge erkennen, die internationale Ermittlungen ermöglichen.

Zu den finanziellen Verlusten kommen die emotionalen Folgen. Opfer dieser Betrugsmasche sind häufig langfristig verunsichert und teils sogar traumatisiert, wenn es darum geht, neue Beziehungen einzugehen.

Der beste Schutz gegen diese Betrugsart ist die Aufklärung. Zusätzlich gelten im Internet die Regeln, die generell im Umgang mit Fremden gelten:

– Vorsicht bei der Herausgabe von eigenen Daten oder Angaben zur
Finanzsituation.
– Hinterfragen Sie kritisch jede Aufforderung, die in Ihre
Richtung gemacht wird. Dies bezieht sich auch auf das Schicken von
Fotos: Bilder ihrer Wohnsituation lassen Rückschlüsse auf ihr
Vermögen zu. Intimbilder sollten Sie grundsätzlich nicht verschicken.
– Geben oder überweisen Sie nie Geld oder Wertsachen an fremde
Personen (oder solche, die Sie noch nie persönlich getroffen haben).
– Lassen Sie sich nicht als „Zwischenstation“ nutzen, wenn zwei
Parteien untereinander Geld überweisen wollen. Das funktioniert auch
ohne diesen Zwischenschritt. Sie werden dabei nur genutzt, um die
Überweisungswege zu verschleiern.
– Die „Zwischenstation“ bezieht sich auch auf Pakete: Lassen Sie
sich nicht darauf ein, ein Paket entgegenzunehmen oder es
aufzubewahren. Kriminelle nutzen solche Pakete, um weitere
Lügengeschichten aufzubauen und die Opfer unter Druck zu setzen.
– Beziehen Sie Freunde mit ein. Der Blick von außen ermöglicht
eine rationalere Bewertung und schützt Sie gegebenenfalls vor
finanziellem und emotionalen Schaden.
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Yasmine Hirsch, Pressesprecherin

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