GÖ: (562/2022) Dekowutz, Teddybär und erfolgreiche Ermittlungen „im Namen der Liebe“ – Polizeiinspektion Göttingen blickt zurück

GÖTTINGEN (jk) – Das Jahr 2023 rückt in greifbare Nähe. Doch was war eigentlich in 2022 alles so los? Auf der Reise durch unser Archiv mussten wir feststellen, dass es trotz andauernder Pandemie jede Menge zu tun gab. Corona-Demos, Fahrraddiebstähle, Enkeltrick-Betrügereien, Brände usw. An dieser Stelle alles aufzuführen würde den Rahmen wohl sprengen. Doch was ist überhaupt mit Kuriositäten? Tja, sehr viele gab es irgendwie nicht oder wurden hier nicht offiziell bekannt. Tierische Einsätze, vor allem mit ausgebüxten Hunden, hingegen schon. Zehn Stück waren es in 2022. Überhaupt ging „tierisch“ so einiges. Ob das vierbeinige Geschöpf dabei immer ein echtes Fell bzw. stachelige Borsten oder stattdessen eine Haut aus wunderbar pflegeleichtem Kunststoff hatte, lassen wir mal unter den Tisch fallen, denn Tiere gehen ja bekanntermaßen immer!

In diesem Sinne wünschen wir viel Spaß bei unserem klitzekleinen Rückblick auf einige etwas ungewöhnliche Polizei-Erlebnisse und einen guten Rutsch ins Jahr 2023! Möge es uns allen weniger Verbrechen und dafür mehr schöne Geschichten bescheren, die wir dann hoffentlich am 30.12.23 wieder hier berichten können.

Ihre

Polizei Göttingen

Rubrik „Verloren/gefunden“

„Goldring in Parkhaus“ Mit einem im Parkhaus „Carré“ in der Reitstallstraße Goldring (siehe auch https://www.presseportal.de/print/5114352-print.html) begann das Jahr 2022. Ein Mitarbeiter hatte den auffälligen Fingerschmuck am Morgen des 4. Januar gegen 06.30 Uhr im Bereich der Parkebene D entdeckt und bei der Innenstadtwache der Polizei am Göttinger Markt abgegeben. Das sich niemand dort melden würde, konnten wir uns nicht vorstellen. Aber es kam so. Nachdem das auffällige Schmuckstück einige Tage auf der kleinen Dienststelle vergeblich auf Abholung gewartet hatte, wurde es dem Fundbüro übergeben. Der Ausgang der Geschichte ist hier nicht bekannt.

Ermittlungen „im Namen der Liebe“ – Romantik pur im Juni

Die märchenhafte Geschichte, die unser Herz in 2022 wohl am meisten berührt hat, begann im Wintersemester 1975/76. Während einer bodenkundlichen Exkursion verlor der 25 Jahre alte, frisch verheiratete Fortstudent Volkmar Broese seinen Ehering im Wald am Södderich bei Waake (Landkreis Göttingen). Der zarte Goldring mit verdrillt zusammengefügten Enden blieb verschwunden. Ein Jahr später ließ sich B. beim Juwelier einen neuen Ring anfertigen. Die Zeit verging. Nach dem Examen zog das Paar häufiger um. Ihr Weg führte es über Nordhessen bis nach Ahrensburg bei Hamburg. Hier ließen sich Broeses nieder. Doch auch der zweite Ring stand offenbar unter keinem guten Stern. Bei einem Einbruch ins Wohnhaus wurde er gestohlen. Und so trug Herr B. ein Jahr später den mittlerweile dritten Ring seit der Hochzeit an seinem Finger. Soweit die grobe Vorgeschichte. Sommersemester 2022, 15. Juni, selbiges Waldstück bei Waake (Landkreis Göttingen). Fast genau 48 Jahre später unternahm ein 24 Jahre alter Forststudent mit seinen Kommilitonen ebenfalls eine bodenkundliche Exkursion. Bei Säuberung des Waldbodens legte er zufällig etwas Hartes, Glänzendes frei: einen Goldring. Der Student vermutete, dass irgendein Exkursionsteilnehmer den Ring verloren hatte, der Ring machte in den Forstinstituten die Runde. Ohne Erfolg. Schließlich brachte eine Professorin den Fund zur Polizei. Auf der Wache des ESD 2 in Göttingen-Weende hatten Broeses, ohne es zu ahnen, in punkto „Ehering“ erstmals richtiges Glück. Der junge Kommissar Robin Kreß nahm sich des besonderen Falles an und machte sich mit großem Herzblut auf die Suche nach dem Eigentümer. Einziger Hinweis für ihn: die Gravur auf der Innenseite des Ringes. „25.9.74 Eugenia“ – Mithilfe dieser kargen Angaben, aber eines außergewöhnlichen Vornamens, begannen die intensiven Nachforschungen des Polizeikommissars ohne zeitlichen Verzug. Sie führten ihn über Melderegister, Kollegen des PP Nordhessen bis zur Google-Recherche. Überall stieß er auf weitere Puzzleteilchen. Ein Artikel im Hamburger Abendblatt über die Aktivtäten von Frau Broese in der Flüchtlingshilfe brachten Kreß dem Ziel immer näher. Von der Organisation bekam er die Erreichbarkeit der Familie Broese in Ahrensburg. Dann folgte der entscheidende Anruf. „Hier ist die Polizei Göttingen. Heißen Sie Eugenia?“ Frau B. bejahte. „Können Sie mir Ihr Traudatum nennen?“ Am anderen Ende der Leitung dachte man wohl zunächst einen Enkeltrick, berichtete uns Robin K. im Gespräch. Zum Glück wurde das Telefonat aber nicht beendet und die Geschichte, die erst so traurig begann, nahm ein wundervolles Ende. So stand am Fuß der Fundanzeige: „Fundsache übergeben: 12.07.22, verschickt“. Der Zeitpunkt hätte wohl nicht romantischer sein können, denn in knapp zwei Jahren feiern Broeses ihre goldene Hochzeit. Dass beide an diesem besonderen Tag wieder ihre Original-Ringe an den Fingern tragen können, ist ein wundervolles Geschenk. Dass dies möglich geworden ist, ist vermutlich der Verdienst unseres engagierten Kollegen. Was für eine vorbildliche Ermittlungsarbeit „im Namen der Liebe“.

„83-70.76, Tatzengröße 15“

Auch große Teddybären gehen verloren, wie auch immer das geht. Der Fund eines kuschligen Exemplars dieser liebenswerten Gattung hob sich jedenfalls im Juli vom täglichen Alltagsgeschäft ab und sorgte auch medial für Aufmerksamkeit (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5269314). An der B 3 bei Bovenden (Landkreis Göttingen) hatte eine Funkstreife einem frühen Sonntagmorgen den ungewöhnlichen Fund aufgelesen. Der flauschige Geselle mit dem zarten, hellbraunen Fell lag auf dem Einfädelungsstreifen der Auffahrt Bovenden in Fahrtrichtung Göttingen. Hier entdeckte ihn ein vorbeikommender Autofahrer und informierte die Polizei. Kurioser Zufall oder sogar Schicksal, denn den „Bären“-Einsatz übernahm dieselbe Dienstabteilung, die vor fast auf den Tag genau fünf Jahren im Göttinger Stadtteil Grone die Teddybärin Kitty aufgriffen hatte. Sie konnte nie vermittelt werden und wohnt seitdem fest im Dienstgebäude in der Otto-Hahn-Straße. Auch der Weg des kleinen Fundbären führte nach Weende. Auf der Wache brachten die Beamten den Kleinen und die erfahrene Kitty zusammen. „Nur sie weiß genau, wie man sich in einer solchen Situation fühlt“, dachte man sich. Dennoch, der kleine Bär sagte kein Wort. Das Rätsel, wie er an diesem Morgen an die vielbefahrene Straße kam, konnte bis heute nicht gelüftet werden. Eine Theorie ging in Richtung Ferienreisezeit. „Ist der Bär vielleicht aus einem fahrenden Auto gefallen oder wurde während einer Pause am Ort vergessen? Und die Besitzer? Haben sie schon gemerkt, dass jemand fehlt?“ – Wir würden so gern helfen, wissen aber nicht wie. Deshalb bitten wir alle Familien, die grad auf dem Weg in den Urlaub sind, einmal anzuhalten und nachzuschauen, ob sie einen kleinen Mitfahrer vermissen, auf den die nachfolgende Beschreibung zutrifft: Größe (Tatzen ausgestreckt): 89 cm, Maße: 83 – 70 – 76, Tatzengröße: 15 cm, Felllänge etwa ein Zentimeter, Fellfarbe: hellbraun, Augenfarbe: schwarzbraun, bronzefarbene Schleife am Hals, sehr gepflegte Erscheinung. Auch der Aufruf in den Medien sollte ins Leere laufen. Bis zum heutigen Tage meldete sich niemand bei der Polizei, der den Teddy vermisst. So bleibt er wohl ewig im Dienstgebäude in der Otto-Hahn-Straße, das sich langsam zur „Teddybärenauffangstation“ entwickelt.

„Ehrlicher Finder“

Auch ihn gab es in 2022: Den ehrlichen Finder! Für eine Dame aus Thüringen war schon am 21. Dezember Weihnachten. Die in Duderstadt arbeitende Frau hatte am Vormittag des 16. Dezember an einem Geldautomaten in der Feilenfabrik 800 Euro abgehoben, die Scheine dann aber versehentlich in der Automatenbox vergessen. Wenig später beim Einkauf im Supermarkt bemerkte sie das fehlende Geld. In der Zwischenzeit fand ein 55 Jahre alter Mann aus der Gemeinde Gleichen die Summe und brachte sie zur Duderstädter Polizei. Hier konnte die Besitzerin das Geld nach „länderübergreifenden Ermittlungen“ am 21.12. wieder in Empfang nehmen.

„Geschichten von Autobahn & Co“

Autotransport mal anders

Auf der Autobahn 7 haben Beamte der Göttinger Autobahnpolizei Mitte April einen LKW aus Tschechien gestoppt, der nicht nur mehrere Baumstämme, sondern oben drauf auch noch einen PKW transportierte. Andere Verkehrsteilnehmer war der ungewöhnliche Transport aufgefallen und hatten den Notruf gewählt (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5205732). Eine Funkstreife der Autobahnpolizei lotste den LKW kurz danach von der A 7 auf die Rastanlage Göttingen-Ost. Bei der genauen Begutachtung der Fahrzeugkombination stellten die Experten erhebliche Mängel fest. Der LKW wurde von den Beamten bis zur Beseitigung der Mängel mit einer Stahlkette gesichert. Am Abend hatte der Mann die monierten Mängel beseitigt und durfte seinen Weg fortsetzen. Für die mangelhafte Ladungssicherung behielten die Beamten eine Sicherheitsleistung in Höhe von 85 Euro von ihm ein.

Viel zu lang

Im Stadtgebiet von Göttingen haben Beamte der Autobahnpolizei Göttingen Anfang Mai im Rahmen einer Verkehrskontrolle einen Transporter eines handwerklichen Unternehmens aus Nordrhein-Westfalen aus dem Verkehr gezogen (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5216792). Der Ford Transit war zuvor von mehreren Verkehrsteilnehmern gemeldet worden, die sich aufgrund der weit nach hinten überstehenden Ladung Sorgen um die Stabilität des Fahrzeuges machten. Unter anderem berichteten die Zeugen übereinstimmend, dass der Transporter bei kleinsten Unebenheiten im Fahrbahnbelag auf dem hinteren Radkasten aufsetzen und die Vorderachse nahezu den kompletten Bodenkontakt verlieren würde. Die anschließende Begutachtung der Experten der Autobahnpolizei bestätigte diese Eindrücke. So war das u. a. in dem Wagen transportierte Holz nicht korrekt gesichert und stand außerdem 2,55 Meter nach hinten über. Ebenso konnte vor Ort festgestellt werden, dass die gesamte Stabilität des Fahrzeuges unter der falsch verteilten Beladung litt. Die Beamten leiteten gegen den 56 Jahre alten Fahrzeugführer und den Halter entsprechende Bußgeldverfahren ein. Die Weiterfahrt wurde noch am Kontrollort untersagt.

„Gehört mir nicht, hätte ich aber trotzdem gern!“

Geklaut wir überall, so auch in Göttingen. Alles was nicht niet- und nagelfest ist, wechselt da schon mal die Besitzer. Unfreiwillig. Manchmal geht die Sache gut aus und zumindest das gestohlene Gut findet wieder den Weg zurück an seinen angestammten Platz. Für ein gestohlenes (Deko)Schwein war es so (siehe auch https://www.presseportal.de/print/5306608-print.html).

Die Plastiksau

Das aus einem Burger-Restaurant in der Göttinger Innenstadt verschwundene Plastikschwein (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5302114) war bald wieder zurück im „heimischen Stall“. Unbekannte hatten die lebensgroße Nachbildung an einem Abend im Juli mutmaßlich durch den Notausgang des Lokales in der Goethe-Allee verschleppt. Seitdem hatte niemand die dunkle Schönheit gesehen, glaubte man. Doch so war es gar nicht. Über eine veröffentlichte Suchmeldung gingen bei der Polizei in kurzer Zeit gleich mehrere Hinweise ein, die nicht nur die Tatzeit näher eingrenzten, sondern außerdem Angaben dazu enthielten, was mit der Entführten geschehen war. Auch eine extrem heiße Spur auf die Täter war darunter. Im Visier der Ermittler standen seitdem vier unbekannte Männer im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Sie sollen angetrunken gewesen sein und mit starkem süddeutschen Dialekt gesprochen haben. Ein Zeuge berichtete den Ermittlern, dass er am Tatabend gegen 21.50 Uhr beobachtet habe, wie ein Mann mit dem dunklen Schwein auf dem Rücken vom Lokal in Richtung der Berliner Straße gelaufen sei, gefolgt von drei weiteren Männern. Als der Passant die Personen ansprach, ließen sie die Sau wohl einfach fallen und flüchteten. Die leicht an Schnauze und Hinterläufen Verletzte tauchte sodann am darauffolgenden Morgen gegen 07.35 Uhr in der Godehardstraße wieder auf. Hier stand sie einsam und verlassen, bis ein Hausmeisterservice sie fand und vorsorglich erstmal in Obhut nahm. Über eine weitere Zeugin wurde dieser Teil der Geschichte polizeilich bekannt, ebenso der Name des Hausmeisterservice. Dort verweilte das Schwein zum Glück noch. Ein Mitarbeiter brachte das gute Stück bei der Polizei vorbei und übergab es an den zuständigen Ermittler. Hier holte es der freudig erregte Eigentümer ab. Die Ermittlungen in dem Fall waren mit der erfolgten Übergabe aber nicht automatisch abgeschlossen. Die Suche nach den vier mutmaßlichen Entführern, die offensichtlich mal richtig „die Sau rauslassen wollten“, ging weiter.

Weiter keine Spur vom Engel

Hingegen leider noch immer spurlos verschwunden sind eine Mitte November vom Göttinger Stadtfriedhof verschwundene Engelsskulptur (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5370128) und ein markanter Bronzespringbrunnen, den ziemlich dreiste Diebe Ende November von einem Privatgrundstück im Nikolausberger Weg abtransportierten (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5384250).

„Und sonst noch…“

Energiedrink verleiht nicht nur Flügel

Den Hut ziehen würden wir vor der Aktion eines 40 Jahre alten Autofahrers Mitte Dezember im Friedländer Weg, der während der Fahrt plötzlich Rauch im Innenraum seines PKW feststellte. Der Göttinger tat nun zunächst das, was wohl jeder tun würde, hielt an und öffnete die Motorhaube. Der Ursprung der Rauchentwicklung war schnell lokalisiert. Es qualmte im Bereich des Sicherungskastens. Was allerdings jetzt passierte, wäre vielleicht nicht jedem von uns sofort in den Sinn gekommen. Mit einer Dose „Energiedrink“ löschte der 40-Jährige den Kleinbrand mal eben kurzerhand und ohne Probleme. Das Getränk, das eigentlich „Flügel verleihen soll“ entpuppte sich als Zaubertrank, der ganz offensichtlich noch mehr kann. Jedenfalls war das Feuer aus. Grandiose Idee.

Mit dem Rad nach Hannover

Mit einem auf dem Seitenstreifen der A 7 fahrenden Radfahrer beschließen wir unseren Rückblick auf das Jahr 2022.

Der mutmaßlich unter Drogeneinfluss stehende Mann aus Göttingen wurde von der Göttinger Autobahnpolizei am Abend des 21. Dezember in Höhe der Anschlussstelle Nörten-Hardenberg gestoppt. Er wollte nach eigenen Angaben nach Hannover. Verkehrsteilnehmer hatten ihn jedoch zuvor gesichtet und den Notruf gewählt. Damit war der so schön geplante Ausflug abrupt zu Ende. Eine Funkstreife der Autobahnpolizei rückte aus. Bei der anschließenden Verkehrskontrolle zeigte sich der 27-Jährige uneinsichtig und musste letztlich zu Boden gebracht werden. Nicht schon schlimm genug, setzte er sich dagegen auch noch körperlich zur Wehr. Zusammengefasst endete der Abend für ihn mit einer Blutprobe und einem Aufenthalt in der Gewahrsamszelle. Hannover muss warten.

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