DEL: Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch: Betrugsversuche durch falsche Polizeibeamte und angebliche Kinder +++ Hinweise der Polizei

In den vergangenen Tagen mussten im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch wieder viele Betrugsversuche zum Nachteil älterer Menschen verzeichnet werden.

Im Stadtgebiet Delmenhorst erhielten viele Seniorinnen und Senioren Anrufe von angeblichen Polizeibeamten, die nach Wertgegenständen im Haus fragten und zur Übergabe an die ‚Polizei‘ aufforderten. Die angerufenen Personen reagierten in allen Fällen richtig und beendeten die Gespräche, ohne Auskunft über Vermögensverhältnisse zu geben.

Im Landkreis Oldenburg waren vor allem im Bereich der Gemeinde Ganderkesee entsprechende Betrugsversuche zu verzeichnen. Der Anruf einer angeblichen Polizeibeamtin bei einem 74-Jährigen aus der Gemeinde wurde von der Betrügerin beendet, weil der Mann sensibilisiert war und die ‚Polizeibeamtin‘ am Telefon auslachte.

Mehr Glück hatte eine 78-Jährige aus der Gemeinde, die ebenfalls von einem ‚Polizeibeamten‘ angerufen und zur Übergabe von mehreren tausend Euro überredet wurde. Die Übergabe scheiterte vermutlich nur deshalb, weil die Bankfiliale zum Zeitpunkt der geplanten Abhebung geschlossen war und die Frau sich anschließend ihrem Sohn anvertraute.

Eine etwas neuere Vorgehensweise der Betrügerinnen und Betrüger erfolgt über die Messengerdienste von Smartphones. Hier geben sie sich als Angehörige aus, die eine neue Nummer haben und akute, finanzielle Sorgen hätten. Sowohl im Landkreis Oldenburg als auch in der südlichen Wesermarsch erhielten ältere Personen entsprechende Nachrichten. In diesen Fällen scheiterten die Betrugsversuche, weil sich die Angeschriebenen umgehend an ihre Angehörigen wandten.

Hier folgen nochmal Erklärungen zu einigen Vorgehensweisen der Kriminellen und Ratschläge der Polizei.

Falsche Polizeibeamte:

„Ja, Oberkommissar Neumann mein Name (…) es handelt sich um einen Notfall“

Im weiteren Gesprächsverlauf wird über einen angeblichen nächtlichen Einbruch in der Nachbarschaft des Angerufenen informiert. Der Angerufene wird beiläufig gefragt, ob er etwas mitbekommen habe. Es wird weiter berichtet, man habe einige Täter festnehmen können, jedoch sei einer „entwischt“. Man habe bei der Durchsuchung eine Tasche nebst Zettel mit der Anschrift und den Daten des Angerufenen gefunden. Diese werden vorgelesen und es wird nach der Richtigkeit gefragt. Auf dem Zettel habe man die Notiz „hohe Wertgegenstände“ hinter seinem Namen gefunden.

Diese Gesprächsdarstellung entstammt einer Telefonüberwachung und ist beispielhaft für die massenhaften Anrufe der falschen Polizeibeamten. Die anrufenden Personen sprechen meist fließend Deutsch, oftmals angepasst an den jeweiligen Dialekt. So schaffen sie eine Vertrauensbasis und greifen beiläufig die für sie wichtigen Informationen nach Bankschließfächern, Bargeldmengen oder hochwertigen Wertgegenständen ab.

Hier werden die Weichen gelegt, ob es sich für die Täter „lohnt“, weiter dran zu bleiben oder ob sie schnellstmöglich das Gespräch beenden – um ein weiteres lukrativeres Telefonat zu führen.

Die zuvor dargestellte Legende der „Diebesbande“ ist wohl die klassische und bekannteste Form der „falschen Polizeibeamten“. Durch die enorme mediale Fokussierung der verschiedenen Präventionsstellen und Bürgerinformationsstellen auf diese Masche sahen sich die Täter gezwungen, ihre Vorgehensweise zu ändern und andere Legenden aufzubauen. Die Phantasie der Täter kennt keine Grenze, sie passen ihre Geschichten oft an aktuelle Geschehnisse oder gesellschaftliche Veränderungen an.

So bieten sie den Angerufenen an, sich bei „der Polizeidienststelle“ zu informieren. Dazu fordern die Täter die Angerufenen auf, nach einem Signalton die 110 zu wählen. Ein weiterer Täter übernimmt dieses Gespräch und wird natürlich alle vorher getroffenen Aussagen bestätigen.

Egal in welcher Variante die angebliche ‚Polizei‘ anruft. Nach einiger Zeit kommt immer der Vorschlag, Wertgegenstände oder Bargeld in ‚polizeiliche‘ Verwahrung nehmen zu können und so vor Langfingern zu schützen.

Sonderform Schockanruf:

Hier rufen angebliche Polizeibeamte oder Rechtsanwälte an und geben an, dass ein Angehöriger einen Verkehrsunfall mit hohem Sachschaden oder gar Verletzten/Getöteten verursacht habe. Man benötige sofort eine hohe Geldsumme, um entweder gar nicht erst die Polizei einschalten zu müssen, oder einer sofortigen Haftstrafe zu entkommen.

Enkeltrick:

„Hallo Oma – weißt du wer dran ist?“

Der klassische Enkeltrick wird durch die Täterinnen und Täter mit diesem oder einem ähnlichen Satz eingeleitet. Mit dieser Frage wird sich erhofft, den Namen eines Enkels oder einer Enkelin genannt zu bekommen, woraufhin sie dann das Gespräch aufbauen können.

In vielen Fällen wird diese Erwartung erfüllt, so dass prompt absurde Rechtfertigungen zur „veränderten“ Stimme folgen, wie zum Beispiel eine Erkältung oder schlechter Empfang. Die Tatverdächtigen spielen ein ausgedachtes Szenario vor, weshalb sie dringend Geld benötigen. Meist erzählen sie, in eine „dumme“ Lage gekommen zu sein und fordern Stillschweigen zu bewahren, weil es ihnen unangenehm sei, wenn der Rest der Familie davon erfahren würde.

Der klassische Enkeltrick wurde mit der Zeit um sämtliche Verwandtschaftsgrade und sogar um den Bekanntenkreis erweitert. Nun ist es mittlerweile auch mal der ehemalige Schulfreund, den man 30 Jahre oder mehr nicht mehr gehört hat, die Nichte oder sogar die Mutter der Schwiegertochter.

Enkeltrick per Messengerdienst (zB Whatsapp): In dieser neusten Masche nehmen die Tatverdächtigen Kontakt über WhatsApp auf. Entweder sind die Profile von Familienangehörigen eins zu eins kopiert oder man gibt vor, das Handy verloren und daher nun ein neues mit neuer Nummer zu haben. Die Angeschriebenen werden um Speicherung der neuen Nummer gebeten. Im folgenden Verlauf des Chats mit der neuen Nummer wird spontan um Geld gebeten. Gründe, wofür relativ schnell und so spontan das Geld benötigt werde, sind zum Beispiel Notartermine, zum Begleichen einer dringend anfallenden Rechnung oder für einen Notfall, da man sich im Ausland befinde.

Verhaltenshinweise

– Beenden Sie das Gespräch
– Die echte Polizei ruft nicht mit der Nummer 110 an
– Die echte Polizei fragt nicht nach Wertgegenständen
– Die echte Polizei nimmt keine Wertgegenstände oder Geld in
Verwahrung
– Die echte Polizei fordert keine Kautionen
– Werden Sie hellhörig bei Geldforderungen von Polizeibeamten oder
Angehörigen
– Geben Sie keine Auskünfte zu Vermögensverhältnissen
– Nehmen Sie Kontakt zu Angehörigen auf
– Rufen Sie die Angehörigen unter den ‚alten‘ Nummern an
– Nehmen Sie Kontakt zur ‚richtigen‘ Polizei auf
– Legen Sie einen Zettel mit der Erreichbarkeit der örtlichen
Polizei neben das Telefon
– Vertrauen Sie sich den Mitarbeitenden in der Bank an
– Übergeben oder überweisen Sie auf gar keinen Geld
Rückfragen bitte an:

Albert Seegers
Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch
Pressestelle
Telefon: 04221-1559104
E-Mail: pressestelle@pi-del.polizei.niedersachsen.de