AUR: Polizeiliche Verkehrsunfallstatistik 2021 der Polizeiinspektion Aurich Wittmund

Polizeiliche Verkehrsunfallstatistik 2021 der Polizeiinspektion Aurich / Wittmund

Weniger Verkehrstote und Schwerverletzte – Mehr Verkehrsunfälle mit Pedelecs

Kernpunkte der Verkehrsunfallstatistik 2021

– Anzahl der Verkehrsunfälle (4.797) wieder auf dem Niveau der
Vorjahre
– Zahl der Verkehrstoten (8) gesunken (2020: 12)
– Zahl der Schwerverletzten (157) gesunken
– Fehlender Sicherheitsabstand weiterhin Hauptunfallursache (332)
– Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss
(112) gestiegen
– Anzahl der Wildunfälle (782) gesunken
– Baumunfälle auf hohem Niveau (102)
– Anstieg der Verkehrsunfälle mit Pedelecs (141) um 26,9%
Im Bereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund sind im Jahr 2021 insgesamt 4.797 Verkehrsunfälle registriert worden. Nachdem 2020 pandemiebedingt im Vergleich zu 2019 ein Rückgang der Verkehrsunfallzahlen um 12,8 Prozent zu verzeichnen war, ist mit dem wieder zunehmenden Verkehrsaufkommen im vergangenen Jahr auch die Zahl der Verkehrsunfälle angestiegen. Es wurden 2021 368 mehr Unfälle als 2020 registriert. Das entspricht einem Anstieg von 8,3%. Im Landkreis Aurich ist die Anzahl der Verkehrsunfälle von 3.049 im Jahr 2020 um 356 auf 3.405 im Jahr 2021 (+ 10,5%) gestiegen, im Landkreis Wittmund wurden im Jahr 2021 1.392 und damit zwölf Unfälle mehr (+ 0,9%) registriert als 2020.

In den Landkreisen Aurich und Wittmund kamen im Straßenverkehr im Jahr 2021 acht Menschen ums Leben. Das sind vier Verkehrstote weniger als im Jahr zuvor. Im Vergleich zu 2020 ist auch die Zahl der Personen, die bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurden, gesunken. Es wurden 157 und damit 28 Personen weniger schwer verletzt. Bei der Zahl der Leichtverletzten ist im Bereich Polizeiinspektion ein leichter Anstieg zu verzeichnen. 2021 wurden 1.116 Personen leicht verletzt – das waren 70 Personen mehr als im Vorjahr.

„Dass die Zahl der Verkehrsunfälle nach dem pandemiebedingten Rückgang nun wieder zunimmt, war leider zu erwarten“, sagt Polizeidirektor Stephan Zwerg, Leiter der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. „Es waren auch wieder deutlich mehr Verkehrsteilnehmer auf den Straßen unterwegs. Trotz gestiegener Verkehrsunfallzahlen haben wir aber im Vergleich zum Vorjahr in unserem Zuständigkeitsbereich weniger Verkehrstote und weniger Schwerverletzte zu verzeichnen. Das ist aus polizeilicher Sicht eine gute Nachricht. Dennoch ist für uns jeder Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch zu Schaden oder gar zu Tode kommt, einer zu viel.“

Unfallursachen

Die häufigste Unfallursache stellte im Jahr 2021 der fehlende Sicherheitsabstand (332) dar. Bei der zweithäufigsten Ursache handelte es sich um Vorfahrtsverstöße (253), gefolgt von Fehlern beim Abbiegen (222). Bei 192 Verkehrsunfällen war überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache.

Bei insgesamt 102 Verkehrsunfällen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund kollidierte ein Verkehrsteilnehmer mit einem Baum. 2020 waren es 100.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss (112) ist im Vergleich zu 2020 (99) gestiegen. Insgesamt stoppten die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten im Jahr 2021 250 Fahrzeugführer, die unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss standen. 2020 waren es 242.

„Diese negative Entwicklung betrachten wir mit Sorge“, sagt Polizeihauptkommissar Hartmut Detmers, Sachgebietsleiter Verkehr der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. „Wer unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln oder alkoholisiert ein Fahrzeug steht, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Die Intensität der Alkoholbeeinflussung, mit der Personen noch ein Fahrzeug führen, ist teilweise wirklich erschreckend.“

Im Rahmen einer Unfallaufnahme im Jahr 2021 stellten die Polizeibeamte/innen bei einem 46 Jahre alten Fahrradfahrer beispielsweise einen Wert von 3,46 Promille fest. Im Rahmen einer Verkehrskontrolle stoppten die Beamten zudem einen 41 Jahre alten Pedelec-Fahrer mit einem Atemalkoholwert von 3,16 Promille.

Die Zahl der Wildunfälle ist im Jahr 2021 leicht gesunken, von 799 im Jahr 2020 auf nun 782. Während im Landkreis Aurich 2021 mehr Wildunfälle verzeichnet wurden (2020: 464 / 2021: 493), ist die Zahl der Wildunfälle im Landkreis Wittmund deutlich zurückgegangen, von 335 auf 289 Unfälle.

Altersgruppen unterschiedlich stark an Verkehrsunfällen beteiligt

Innerhalb der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, den sogenannten Fahranfängern, wurde im Jahr 2021 infolge eines Verkehrsunfalles eine Person tödlich verletzt. 2020 waren es drei. Die Zahl der Schwerverletzten verringerte sich in der Altersgruppe im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls, von 29 auf nun 24. Eine Risikogruppe bleibt die Altersgruppe der Über-65-Jährigen. 2021 verstarben bei Verkehrsunfällen vier Menschen, die dieser Altersgruppe zugeordnet werden. Zwei von ihnen waren älter als 75 Jahre.

In den Vorjahren waren in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen die meisten Schwerverletzten zu verzeichnen. Auch im Jahr 2021 lag die Zahl der Schwerverletzten mit 23 Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren höher als in anderen Altersgruppen.

In fast allen Altersgruppen ist im Jahr 2021 die Zahl der Schwerverletzten rückläufig. Einen geringfügigen Anstieg gab es bei den 65- bis 74-Jährigen, von 13 auf 19 Schwerverletzte.

Verkehrsunfälle mit Fahrrad- und Pedelec-Fahrenden

Bei 335 Verkehrsunfällen waren im Jahr 2021 im Bereich der Inspektion Radfahrer beteiligt. 2020 waren es 306. Die Zahl der Schwerverletzten Radfahrer ging von 36 im Jahr 2020 auf 27 im Jahr 2021 zurück. Die Zahl der Leichtverletzten stieg von 209 auf 235 in 2021.

Bei 141 der 335 Radunfälle (42,1%) war ein Pedelec-Fahrender beteiligt. Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Pedelec-Fahrenden im Vergleich zu 2020 (103) erneut deutlich angestiegen, um 26,9%. Eine Person wurde 2021 infolge eines Verkehrsunfalls mit einem Pedelec tödlich verletzt. Die Zahl der Pedelec-Fahrenden, die bei Verkehrsunfällen schwer verletzt wurden, ging 2021 leicht zurück, von 24 auf 19. Die Zahl der Leichtverletzten ist von 75 auf 102 gestiegen.

Motorräder

Im Jahr 2021 wurden im Inspektionsbereich insgesamt 79 Unfälle unter Beteiligung eines Motorrads registriert. Zwei Motorradfahrer kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben, 19 wurden schwer verletzt. Darüber hinaus kamen 2021 bei Verkehrsunfällen zwei Kleinkraftradfahrer ums Leben.

E-Scooter

In den Landkreisen Aurich und Wittmund spielen die Elektrokleinstfahrzeuge, sogenannte E-Scooter, weiterhin eine untergeordnete Rolle, sind aber inzwischen im Straßenverkehr im Vergleich zu den Vorjahren häufiger anzutreffen. Die Polizei stellt bei Verkehrskontrollen immer wieder fest, dass E-Scooter-Fahrer oder auch Eltern, deren Kinder mit einem E-Scooter unterwegs sind, nicht ausreichend über die geltenden Regeln für Elektrokleinstfahrzeuge informiert sind. „Wer E-Scooter fährt, sollte sich bereits im Vorfeld mit den geltenden Regeln in der Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung vertraut machen, um sich selbst und andere im Straßenverkehr nicht zu gefährden“, sagt Hartmut Detmers. E-Scooter benötigen eine allgemeine Betriebserlaubnis und müssen über eine KFZ-Haftpflichtversicherung verfügen. Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit darf nicht mehr als 20 km/h betragen und wer einen E-Scooter fahren möchte, muss mindestens 14 Jahre alt sein. Eine Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer besteht nicht, die Polizei empfiehlt jedoch, sich mit einem Helm zu schützen.

Im Jahr 2021 kam es unter Beteiligung eines E-Scooters zu sieben Verkehrsunfällen, davon vier im Landkreis Aurich und drei im Landkreis Wittmund. Vier E-Scooter-Fahrer wurden bei Unfällen leicht, zwei sogar schwer verletzt.

Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr

Das Thema Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr ist 2022 Kernthema der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei. Die Maßnahmen sind dabei nicht nur auf den motorisierten Verkehr gerichtet, vielmehr steht jegliche Art der Verkehrsbeteiligung aller Altersklassen, sowie jegliche Formen einer Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit im Fokus. Vor dem Hintergrund gibt es durch die Polizei Niedersachsen die Verkehrssicherheitskampagne #FahrKLAR. Darüber hinaus steht bei der länderübergreifenden Verkehrsinitiative „sicher.mobil.leben“ die „Fahrtüchtigkeit im Blick“ der teilnehmenden Polizeibehörden. Vom 4. bis zum 10. Mai fanden bereits flächendeckend größere Aktionen und Kontrollen rund um die Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr statt.

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Wiebke Baden
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