POL-AUR: Love-Scamming Romance-Scamming: Der Betrug mit der Liebe im Internet

Love-Scamming / Romance-Scamming: Der Betrug mit der Liebe im Internet

Das Geschäft mit der angeblichen Liebe oder dem Heiratsschwindler / der Heiratsschwindlerin im Internet. Überweisungen im fünfstelligen Euro-Bereich sind keine Seltenheit. Oft leihen sich die Opfer Geld bei Angehörigen und Freunden. Der finanzielle Schaden ist in vielen Fällen immens, hinzu kommt das Schamgefühl der Opfer. Durch eine emotionale Abhängigkeit werden die Opfer dazu gebracht, Geld zu überweisen, ihr Umfeld bekommt teilweise gar nichts davon mit. Versuche von Angehörigen, Freunden oder Bekannten, dem Opfer die Augen zu öffnen und die „neue Liebe“ in Frage zu stellen, stoßen oftmals auf Widerstand. Es gestaltet sich sehr schwierig, das Gegenüber vom Gegenteil zu überzeugen. Das Opfer ist bereits emotional gefangen.

Ob über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen, die Partnersuche findet für viele Menschen inzwischen im Internet statt. Doch leider tummeln sich dort auch Betrüger, die es auf das Geld der anderen abgesehen haben. Gefälschte Lebensläufe, gestohlene Bilder, falsche Namen und erfundene Familientragödien sind oft erst der Anfang verhängnisvoller virtueller Affären.

– Wie funktioniert das Vorgaukeln der Liebe im Netz, um an Geld zu
kommen?
Eine neue Liebe, kennengelernt im Internet, die einem innerhalb kürzester Zeit die Welt zu Füßen legt. Es dauert nicht lange und es werden bereits die ersten Zukunftspläne geschmiedet. Das erste Treffen, auf das sich das „Herz“ so freut. Das Schicksal meint es allerdings nicht gut mit dem neuen „Angebeteten“. Völlig unverschuldet gerät er oder sie in eine Notsituation. Mal ist die Kreditkarte gestohlen worden, ein Verwandter schwer erkrankt, Schulden müssen zurückgezahlt werden, er oder sie wurde unschuldig verhaftet, auf dem Weg zum Flughafen bestohlen, es gab einen schweren Unfall, er oder sie benötigt Geld für eine notwendige Operation etc. Die erfundenen schicksalhaften Geschichten sind grenzenlos.

Die Taktik ist bei allen Legenden identisch: Der Täter gibt vor, unverschuldet in eine Notsituation geraten zu sein, in der er Geld benötigt. Manchmal tritt in dieser Phase auch ein Komplize auf, der die Geschichte des Täters bestätigt. Zahlt das Opfer, ist der Täter allerdings nur kurze Zeit zufrieden. Mit einer anderen Ausrede wird neues Geld gefordert. Zögert das Opfer oder kommt ins Grübeln, werden emotionale Vorwürfe erhoben und der Täter beschuldigt das Opfer, ihn nicht zu lieben. Gleiches gilt für Täterin und Opfer. Ist das eigene Barvermögen weg, leihen sich die Opfer das Geld im persönlichen Umfeld oder nehmen Kredite auf. Erst wenn das Opfer zahlungsunfähig ist, meldet sich der/die Betrüger/in nicht mehr, die sozialen Profile und Konten werden gelöscht. Zurück bleibt ein emotional verzweifeltes und finanziell ruiniertes Opfer.

Nicht immer geht es beim sogenannten Romance Scamming („scamming“ = „betrügen“) ausschließlich ums Geld. Manche Betrüger versuchen ihre Opfer auch anderweitig auszunutzen. Es wird beispielsweise um eine Kopie der Ausweisdokumente gebeten. Die Daten werden dann für betrügerische Zwecke verwendet. Eine andere Variante betrifft einen angeblichen Freund, der in Europa lebt und Hilfe braucht. Das Opfer soll dann beispielsweise für ihn Pakete entgegennehmen oder aufbewahren. Dadurch wird er/sie unfreiwillig zum Komplizen. In einigen Fällen werden die Opfer gebeten, ihr Konto für eine Auslandsüberweisung zur Verfügung zu stellen. Auch hierbei nutzt der Täter wieder eine Legende, weshalb die Auslandsüberweisung nicht selber getätigt werden kann. Den Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland erbetteln Scam-Frauen sowie auch Scam-Männer.

– Wie erkenne ich einen Romance- oder Love-Scammer?
Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an Mailadressen. Die Betrüger arbeiten oft mit deutschen Mailadressen. Es kommt allerdings auch zu Ansprachen im privaten Bereich, zum Beispiel beim Einkaufen oder in einem Café.

Scammerinnen antworten zum Teil auch auf Annoncen und geben beispielsweise vor, bei älteren Menschen einziehen zu wollen, um diese zu pflegen. Der Einzug in die Wohnräume kann sich allerdings hinziehen. Bis es dazu kommt, werden vorab durch unterschiedliche Legenden Geldforderungen gestellt.

Die Rückzahlung des Geldes wird oftmals in Aussicht gestellt.

Für den Geldtransfer nutzen die Betrüger durchaus unterschiedliche Überweisungsplattenformen, beispielsweise „Western Union“ oder „MoneyGram“.

Romance Scammer verfügen weltweit über Bankkonten, um den Geldtransfer weniger verdächtig zu machen.

Die Betrüger kommunizieren oft in gutem Englisch. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.

Scam-Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind, während Scam-Männer häufig Fotos von uniformierten Männern nutzen.

Ob Geschäftsreise oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung nach Nigeria, Ghana usw. Scam-Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen/ südostasiatischen / südamerikanischen Ländern.

Die mit Abstand am meisten verbreiteten Formen des Romance Scamming wird von organisierten Banden mit Standorten Nigeria und Ghana betrieben. Dahinter steckt oftmals die sogenannte Nigeria Connection.

– Was kann ich tun, wenn ich gescammt wurde?
1. Person blockieren

2. Anfragen ignorieren

3. Beweise sichern

4. Hilfe holen / Polizei einschalten

– Unser Tipp:
Geben Sie den Namen Ihrer Internetbekanntschaft mit dem Zusatz „Scammer“ zum Beispiel bei Google ein. Die Suchmaschine kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen. Falls Sie ein Bild mitgeschickt bekommen haben, können Sie mithilfe der umgekehrten Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten.

Es ist außerdem sinnvoll, für Online-Kontaktbörsen oder den digitalen Schriftverkehr mit einem Unbekannten eine alternative E-Mail-Adresse benutzen. So können Sie verhindern, dass Sie im Fall eines Betruges Ihren Hauptmailaccount und verknüpfte Konten löschen müssen.

Rückfragen bitte an:

Polizeiinspektion Aurich/Wittmund
Pressestelle
Wiebke Baden
Telefon: 04941 606104
E-Mail: pressestelle@pi-aur.polizei.niedersachsen.de